Zwischenfrüchte per Drohne
Landesanstalt erprobt innovative Aussaat in Sachsen-Anhalt
Bernburg (10.08.2026). Die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt mit Hauptsitz in Bernburg-Strenzfeld testet die Ausbringung von Saatgut für Zwischenfrüchte aus der Luft. Die Aussaat mittels Drohne fand jetzt wieder auf Feldern im Burgenlandkreis (Gemeinde Gleina), Landkreis Börde (Neuenhofe), Landkreis Stendal (Tangerhütte) sowie Mansfeld-Südharz (u.a. in Benndorf) statt.
Innovatives Projekt erprobt Methoden der Zwischenfruchtaussaat
Möglich macht das ein überregionales Projekt, das innovative Verfahren zur Zwischenfruchtaussaat untersucht und in dem die Landesanstalt für Sachsen-Anhalt federführend mitwirkt. Dies ist das Modell- und Demonstrationsvorhaben Integrierter Pflanzenbau (Vielfalt im Ackerbau im Trockengebiet/ACKTROCK).
Schutz vor Trockenheit: Drohnensaat sichert Restfeuchte im Boden
Großer Vorteil der Drohnenaussaat ist, dass das Saatgut vor dem Mähdrusch in den bestehenden Bestand ausgebracht werden kann. Der Boden wird nicht bewegt. Projektmitarbeiterin Michelle Tondera von der Landesanstalt erklärt: „Gerade im Sommer, wenn jede Bodenbearbeitung Wasserverlust bedeutet, bieten sich entscheidende Vorteile. Der Getreidebestand hält die Restfeuchte und reguliert die Temperatur. Die Strohverteilung während der Ernte sorgt für die Bedeckung der Saat, wodurch Feuchtigkeit am Korn gespeichert wird. Gleichzeitig kann die Aussaat parallel zur Getreideernte oder zur Rapsaussaat erfolgen – ein deutlicher Gewinn für die Arbeitswirtschaft, denn die Maschinen- und Personalkapazitäten sind in dieser Zeit ohnehin stark ausgelastet.“
Hohe Flächenleistung mit moderner Technik
Technisch setzt das Projekt auf moderne Drohnensysteme, die hohe Flächenleistungen und flexible Saatmengen ermöglichen. Mit bis zu 14 Hektar pro Stunde und einer Streubreite von fünf bis sieben Metern lassen sich Zwischenfrüchte schnell und bodenschonend ausbringen. Besonders geeignet sind kleinkörnige Saat-Mischungen, die sich gut verteilen lassen und auch unter trockenen Bedingungen zuverlässig keimen.
Praxistests in regionalen Betrieben in Sachsen-Anhalt
In fünf Demonstrationsbetrieben wurden in diesem Jahr bereits unterschiedliche Zwischenfruchtmischungen getestet – von etablierten Standardmischungen bis hin zu speziell für die Drohnensaat angemischten Varianten. Die Aussaat erfolgte je nach Betrieb unmittelbar vor der Ernte oder bis zu zehn Tage früher.
Kein Selbstläufer: Herausforderungen und Potenziale
Die Landesanstalt informiert Landwirte und die interessierte Öffentlichkeit objektiv über Erkenntnisse der Untersuchungen, Chancen und Risiken. Dabei zeigt sich daher auch, dass die Drohnensaat kein Selbstläufer ist. Michelle Tondera: „Der optimale Einsatzzeitpunkt muss situativ entschieden werden, denn Konkurrenzdruck durch den Altbestand, Randverunkrautung oder hohe Mäusepopulationen können die Etablierung beeinträchtigen. Nicht zuletzt bleibt auch bei der Drohnensaat eine ausreichende Bodenfeuchte zum Zeitpunkt der Keimung ein entscheidender Faktor.“
Dennoch bleibt festzuhalten: Die Drohnensaat bietet gerade in Trockengebieten große Chancen. Sie spart Wasser, schont den Boden und entlastet die Arbeitswirtschaft. Das Projekt, in dem die Landesanstalt mitwirkt, wird die Technik weiter begleiten, optimieren und in den kommenden Jahren zusätzliche Demonstrationen durchführen, um das Verfahren stärker in die Praxis zu tragen.
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Hintergrund
Zwischenfrüchte wie Öllein, Phacelia, Tiefenrettich, Wicke werden in der Regel nach der Ernte von Getreide und Raps zwischen zwei Hauptkulturen als natürlicher Bodenschutz angebaut und nicht geerntet. Sie schützen den Acker vor Erosion, unterdrücken Unkraut, speichern wichtige Nährstoffe und fördern durch ihr Absterben den wertvollen Humusaufbau sowie das Bodenleben. Die Aussaat der Zwischenfrüchte fällt allerdings in Zeiten, die in der Regel durch Trockenheit und hohe Temperaturen sowie durch Arbeitsspitzen in der Landwirtschaft gekennzeichnet sind. Der Einsatz von Drohnentechnik zielt darauf ab, diesen Herausforderungen zu begegnen.
Hier finden Sie weitere Informationen zum Projekt ACKTROCK
„Vielfalt im Ackerbau im Trockengebiet“
