25 Jahre Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau
Bernburg-Strenzfeld (01.09.2026). Wie sieht die moderne Landwirtschaft von morgen aus? Welche digitalen Tools unterstützen die Betriebe im Alltag und wie sichern neue Methoden die Qualität auf dem Acker? Seit genau einem Vierteljahrhundert liefert die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt die wissenschaftlichen Antworten auf wichtige Fragen der Agrarbranche für Sachsen-Anhalt. Zum 25-jährigen Jubiläum am 1. September 2026 zieht die Fachbehörde mit Hauptsitz in Bernburg-Strenzfeld erfolgreich Bilanz.
„Ein zentrales Ziel war und ist es, die Landwirte als neutraler, verlässlicher Partner zu unterstützen“, so Prof. Dr. Falko Holz, Präsident der Landesanstalt. „In unseren Laboren und auf den Versuchsfeldern gewinnen wir Daten und Erkenntnisse und erarbeiten auf dieser Grundlage fachliche Empfehlungen für die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt. Wir schlagen so die Brücke zwischen Theorie und landwirtschaftlicher Praxis. Gleichzeitig schaffen wir damit das verlässliche Fundament für politische Weichenstellungen: Unsere wissenschaftliche Expertise dient als neutrale Entscheidungshilfe zur Ausgestaltung agrarpolitischer Ziele sowie zur praxisnahen Umsetzung rechtlicher Vorgaben. Doch Theorie entfaltet ihren Wert erst in der Praxis. Der direkte Austausch steht für uns daher an erster Stelle. Wichtige Instrumente dafür sind Pilot- und Demonstrationsvorhaben in unseren Partnerbetrieben und der gezielte Ausbau unseres Netzwerks.“
So organisiert die Fachbehörde beispielsweise eine erhebliche Zahl an Informations-, Fortbildungs- und Fachveranstaltungen, oft gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis. Parallel dazu hat sich das Internet zum zentralen Informationskanal entwickelt. Über die eigene Homepage sowie gemeinsam mit verschiedenen Partnern betriebene Internetportale wurde die Versorgung der Betriebe mit schriftlichen und visualisierten Daten selbst während der schwierigen Corona-Pandemie lückenlos gesichert.
Gründung, Standorte und Aufgaben der Landesanstalt
Die offizielle Gründung der Landesanstalt im Jahr 2001 markierte den Startschuss für die gebündelte Kraft der Vorgängereinrichtungen unter einem Dach mit verschiedenen Standorten in Sachsen-Anhalt.
Die Landesanstalt ging zum 1.9.2001 aus der Zusammenführung von folgenden Vorgängereinrichtungen hervor:
- Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) Sachsen-Anhalt
- Landespflanzenschutzamt Sachsen-Anhalt
- Lehr- und Versuchsanstalt für Acker- und Pflanzenbau
- Lehr- und Versuchsanstalt für Tierhaltung und Technik
- Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Technik
- Landesfachschule
Heute ist die Landesanstalt mit aktuell zirka 280 Beschäftigten fest in den Regionen verankert. Die Aufgaben verteilen sich auf die im Folgenden aufgeführten spezialisierten Standorte im ganzen Bundesland:
Bernburg-Strenzfeld: Hauptsitz, zentrale Verwaltung und Zentrum für Acker- und Pflanzenbau. Im Zentrum für Acker- und Pflanzenbau sowie auf Versuchsfeldern in Beetzendorf, Gadegast, Hayn, Walbeck und Iden werden unter anderem Feldversuche etwa zu Getreide, Leguminosen, Grünland sowie Arznei- und Gewürzpflanzen durchgeführt.
Iden (Altmark): Im Zentrum für Tierhaltung und Technik werden unter anderem Fragen zur Haltung von Rindern, Schweinen und Schafen untersucht. Zudem findet hier die überbetriebliche Ausbildung für den Berufsnachwuchs in den landwirtschaftlichen Berufen statt.
Halle-Lettin: Das landwirtschaftliche Untersuchungswesen an den LLG-Standorten in Halle-Lettin und Bernburg-Strenzeld führt unter anderem Rückstandsuntersuchungen von Pflanzenschutzmitteln durch, analysiert Futtermittel, Düngemittel, Böden sowie Saatgut und nimmt Qualitätsbewertungen von Ernteprodukten vor.
Quedlinburg: In den Versuchsanlagen zum Gartenbau in Quedlinburg werden neben Äpfeln und Birnen auch exotische Arten wie Kiwibeeren oder Haskap geprüft. Zudem gibt es vor Ort eine Demonstrationsanlage mit Straßen- und Alleebäumen.
Haldensleben: In Haldensleben befindet sich die Fachschule für Landwirtschaft, die auf eine lange Tradition bei der Ausbildung und Qualifikation landwirtschaftlicher Fachkräfte zurückblicken kann.
Jüngste Geschichte: Meilensteine in den vergangenen fünf Jahren
2026: Doppel-Highlight mit Spatenstich in Iden und DLG-Feldtagen in Bernburg
Ein geschichtsträchtiges Jubiläumsjahr: Am 30. April erfolgt der erste Spatenstich für umfassende Baumaßnahmen am Zentrum für Tierhaltung und Technik in Iden. Bis 2031 entsteht hier mit Stallneubauten für rund 400 Milchkühe und für Mastschweine eine hochmoderne überbetriebliche Ausbildungsstätte.
Ein weiteres Highlight des Jubiläumsjahres: Die Landesanstalt richtet im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt auf den DLG-Feldtagen in Bernburg - einer international renommierten Fachmesse - die Landespräsentation aus. Unter dem Leitmotiv „Wissen - Praxis - Zukunft“ stellte die Landesanstalt darauf eine breite Themenpalette praxisreifer Innovationen in den Fokus, darunter etwa moderne Drohnensaaten und zukunftsfähige Anbausysteme.
2025: Digitalisierung als ein wichtiger Schwerpunkt
Mit der Erarbeitung und Umsetzung des Agraratlas als Webportal und der Mitarbeit an den digitalen Entscheidungshilfen im Pflanzenschutz, mit der Einführung des Düngemanagementprogramms webBESyD oder der Testung von Feldrobotern – die LLG unterstützt in vielen Bereichen den Digitalisierungsprozess in der Landwirtschaft. Doch das ist noch längst nicht alles. Im Rahmen von Projekten wird der Einsatz digitaler Technik direkt in und mit Praxisbetrieben erprobt.
2024 Erhalt und Modernisierung des Feldversuchswesens
60 Jahre Versuchsstation Walbeck und Hayn - ein deutliches Zeichen für Kontinuität in der landwirtschaftlichen Forschung. Die Versuchsstationen der LLG in den verschiedenen Agrargebieten liefern die Daten, aus denen richtungsweisende Empfehlungen für die Praxis entstehen. Die technische Modernisierung und Digitalisierung des Versuchswesens tragen zum notwendigen Erhalt der Standorte bei.
2023: Meilenstein beim Ausbau des Ökologischen Landbaus
Die jahrzehntelange Arbeit der Landesanstalt zu Fragen der Ökologischen Landwirtschaft trägt messbare Früchte: Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Sachsen-Anhalt verzeichnet einen signifikanten Zuwachs auf rund 121.000 Hektar. Zudem engagiert sich die Landesanstalt in einem bundesweiten Verbundprojekt für die erfolgreiche Etablierung moderner Haltungs- und Tierwohlkonzepte in der landwirtschaftlichen Praxis.
2023: Kontinuierliche Informationen für die Praxis
Unterschiedlichste Veranstaltungen, zahlreiche Veröffentlichungen – Die Landesanstalt stellt neueste Ergebnisse vor, bereitet interessante Themen auf oder gibt wichtige Hinweise und Empfehlungen. So wird der Informations- und Fachaustausch gefördert. Ein erfolgreiches Beispiel ist das 33. Bernburger Winterseminar Arznei- und Gewürzpflanzen des SALUPLANTA e.V.. Dies ist die größte jährlich stattfindende Tagung des Fachgebietes bei der die Landesanstalt als Mitveranstalter fungiert.
2022: Modernisierung der Labore und des Untersuchungswesens
Wichtige Labore des landwirtschaftlichen Untersuchungswesens in Halle (Saale) und Bernburg werden technisch umfassend modernisiert. Damit wird die Basis geschaffen, um unter anderem Bodenanalysen, Düngemittel- und Futtermitteluntersuchungen schnell durchzuführen und auszuwerten und so Empfehlungen für die Praxis abzuleiten und Analysedaten für Behördenaufgaben bereitzustellen.
Zum Hintergrund: Bernburg-Strenzfeld: Standort mit 100-jähriger Tradition
Obwohl die LLG in ihrer heutigen Form am 1. September 2001 gegründet wurde, atmet der Hauptsitz in Bernburg-Strenzfeld Agrargeschichte. Die Wurzeln reichen über 100 Jahre zurück: Bereits 1880 öffnete in Bernburg die Herzogliche Anhaltische Landes-Versuchsstation. Nur zwei Jahre später revolutionierte Prof. Dr. Hermann Hellriegel mit seinen Forschungen zur Zuckerrübe und zur Luftstickstoffbindung die Wissenschaft. Über die Jahrzehnte hinweg – vom Institut für Pflanzenzüchtung unter Prof. Dr. Fritz Oberdorf (1949-1963) über die DDR-Forschung zur Landwirtschaft auf Trockenstandorten unter Prof. Dr. Hansgeorg Steikhardt (1964-1985) bis zur Gründung der Lehr- und Versuchsanstalt 1992 – blieb der Standort das Herzstück der regionalen Agrarforschung.
Die Partnerschaft von Landesanstalt, Hochschule Anhalt und dem Internationalen Pflanzenbauzentrum der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) prägt heute den Standort und ist eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche weitere Entwicklung.
