LLG-Feldtag zeigt Potenziale der Ackerbeweidung mit Schafen
Bernburg-Strenzfeld, 06.05.2026. Die Ackerbeweidung mit Schafen ist eine traditionelle Bewirtschaftungsform, die jedoch in den letzten Jahren zunehmend in den Hintergrund gerückt ist. Intensivere Anbausysteme und eine weitreichende Mechanisierung haben sie vielerorts verdrängt. Dabei birgt sie im Sinne einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft ein bemerkenswertes Potenzial: Schafe bringen Nährstoffe über ihre Ausscheidungen direkt in den Boden zurück, fördern den Humusaufbau und stärken so die Nährstoffkreisläufe auf Ackerflächen.
Am 6. Mai 2026 wurde dieses Potenzial beim Feldtag der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) in Bernburg eindrucksvoll sichtbar. Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Beitrag die Ackerbeweidung zu einer nachhaltigen, klimaangepassten und ressourcenschonenden Landwirtschaft leisten kann.
Zentraler Bestandteil des Feldtages war das BÖL-Projekt zur Ackerbeweidung mit Schafen, das gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und der regionalen Schäferin Ulrike Wehrspohn (Schäferei Estancia) durchgeführt wird.
Der Vormittag begann mit einer Reihe von Vorträgen, die den Teilnehmenden einen umfassenden Einblick in Forschung, Praxis und rechtliche Rahmenbedingungen boten.
Frau Hoffmann (LfL) eröffnete den Tag mit einer Vorstellung des Projekts. Sie erläuterte die Ziele, den Versuchsaufbau und die bisherigen Erkenntnisse. Anschließend ordnete Frau Wollny (LLG) die Ackerbeweidung in das Dünge- und Förderrecht ein. Abschließend präsentierte Herr Dr. Bischoff (LLG) die aktuellen Forschungen zum Einfluss der Weidereste auf den organischen Bodenkohlenstoff.
Die Versuchsergebnisse verdeutlichen das Potenzial der Ackerbeweidung mit Schafen sehr klar:
- Die Beweidung führte zu keinerlei Ertragseinbußen.
- Die Qualitäten (z. B Proteingehalte) unterschieden sich nicht signifikant zwischen beweideten und unbeweideten Varianten.
- Die Schafe trugen dabei sogar zur Unkrautregulierung bei, da sie Unkräuter selektiv aufnehmen.
Die Datenlage zeigte deutlich: Unter den gegebenen Bedingungen traten diese Risiken nicht auf und gleichzeitig kann durch die Ackerbeweidung der Humusaufbau unterstützt werden. Die Sorge vor Trittschäden oder übermäßigem Verbiss, welche häufig im Zusammenhang mit Ackerbeweidung aufgeführt werden, konnten ausgeräumt werden.
Nach den Vorträgen ging es hinaus aufs Feld. Mehrere Hundert Mutterschafe der Rasse Merinofleischschaf weideten auf den Versuchsflächen. Die Teilnehmenden konnten sich ein eignes Bild davon machen, wie sich die Tiere im Bestand bewegen, wie intensiv sie fressen, wie der Pflanzenbestand reagiert und wie gering die tatsächliche Trittbelastung ausfällt.
Rund 70 Teilnehmende waren nach Bernburg gekommen: Interessierte, Landwirte, Studierende, Tierärzte, aktive Schäfer und sogar ein Schäfer aus der ehemaligen DDR. Diese Vielfalt führte zu einem lebendigen Austausch, der von praktischen Erfahrungen bis hin zu politischen Rahmenbedingungen reichte.
Die angeregten Gespräche verdeutlichen, dass die Ackerbeweidung mit Schafen bewegt – fachlich, emotional und gesellschaftlich.

