Artenschutzprojekt: LLG etabliert Speierling-Samenplantage
Von Edelreisern zu Jungpflanzen
(Quedlinburg/ 16.03.2026). Im Rahmen eines Projektes der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG) wird derzeit die Etablierung einer Samenplantage für den Speierling (Sorbus domestica) in Sachsen-Anhalt vorangetrieben. Ziel des Vorhabens ist es, durch die Erzeugung hochwertiger, herkunftssicherer Pflanzen und Saatgüter zur Erhaltung dieser seltenen Baumart beizutragen und gleichzeitig die genetische Vielfalt heimischer Gehölze zu fördern. Der Speierling, der in Deutschland und insbesondere in Sachsen-Anhalt immer seltener wird, spielt eine zentrale Rolle in der Naturschutzarbeit und könnte in der Zukunft als trockenheitstolerante Art einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Forstwirtschaft leisten.
Der Baumart zeichnet sich nicht nur durch ihre Bedeutung für den Naturschutz aus, sondern auch durch ihre Geschichte als Nutzbaum. Angesichts des Klimawandels wird der Speierling aufgrund seiner Toleranz gegenüber Trockenheit zunehmend als wertvolle Art für die Forstwirtschaft betrachtet. Die Art hat ein langsames Wachstum und eine geringe Ausbreitung, weshalb gezielte Maßnahmen notwendig sind, um seinen Fortbestand zu sichern. Nach den Vorgaben des § 40 Bundesnaturschutzgesetzes dürfen bei Gehölzpflanzungen in der freien Natur nur Pflanzenmaterialien aus gebietseigenen Quellen verwendet werden. Die Etablierung einer Samenplantage für den Speierling stellt deshalb eine wichtige Maßnahme zur Bereitstellung von hochwertigem Saatgut aus heimischen Beständen dar.
Nachhaltigkeit und Langfristigkeit im Fokus
Gemeinsam mit dem Landeszentrum Wald hat die LLG die Standorte des Speierlings in Sachsen-Anhalt flächendeckend identifiziert und erfasst. Die Untersuchungsergebnisse führten zur Identifizierung von zwei besonders stark besiedelten Regionen: zum einen im nördlichen Harzvorland sowie im Südharz und zum anderen in der Umgebung von Freyburg im Süden des Landes. Diese Herkünfte werden als besonders geeignet für die Etablierung der Samenplantage erachtet, da sie auch die nordöstlichste natürliche Verbreitungsgrenze der Art widerspiegeln und sich an den Standorten auf natürliche Weise angesiedelt haben.
„Diese Bäume sind nicht nur einzigartig in ihrer genetischen Herkunft, sie stellen auch die Grundlage für unsere Samenplantage dar. Sie bieten uns die Möglichkeit, über die Vermehrung von Edelreisern nicht nur die Art zu erhalten, sondern auch sicherzustellen, dass das Saatgut aus heimischen Beständen stammt“, erklärt Tassilo Valtink, Projektverantwortlicher bei der LLG.
Die Ernte der Edelreiser (Triebspitzen aus den Außenbereichen der Baumkronen), die als Grundlage für die Veredelung der Pflanzen dienen, stellte eine große Herausforderung dar. In enger Zusammenarbeit mit professionellen Seilkletterern, die ihre Expertise in der Ernte von Edelreisern aus den Baumkronen einbrachten, konnten innerhalb von acht Tagen mehr als 1200 Edelreiser von 55 Mutterbäumen gesammelt werden. Diese Reiser sind von entscheidender Bedeutung für die spätere Produktion genetisch wertvoller Speierlingspflanzen.
Die anspruchsvolle Zusammenarbeit und die Anpassung an die schwierigen Witterungs- und Geländeverhältnisse stärkten das Team und trugen zur erfolgreichen Ernte bei. Angesichts des damit verbundenen Arbeitsaufwands entwickelte sich unter den Beteiligten ein gemeinsames Motto, das den Einsatz und die Verbundenheit aller Projektbeteiligten widerspiegelte: „Alles für den Speierling!“. Dieses Motto wurde zum Ausdruck der Hingabe und der Motivation, mit der alle Beteiligten das Projekt vorantrieben.
Im nächsten Schritt erfolgt die Veredelung der Edelreiser. Diese werden von einem spezialisierten Gartenbauexperten auf artgleiche Unterlagen im Frühjahr veredelt. Das Ziel ist dabei ein Bestand von 600 kräftigen Jungpflanzen, die als Basis für die künftige Samenplantage dienen.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dies nur der erste bedeutende Schritt in einem langen Prozess ist. Die Durchführung der Reiserernte markiert den erfolgreichen Abschluss des ersten Projektmeilensteins. Auch nach der Veredelung stehen noch mehrere Herausforderungen an. Die Pflanzen werden zunächst im Gewächshaus für ein Jahr kultiviert, um ein optimales Wachstum zu gewährleisten. Danach werden sie in die Verschulung an das Dezernat Gartenbau der LLG in Quedlinburg überführt, wo sie unter kontrollierten Bedingungen weiter gedeihen werden. Die erste Saatguternte auf der Plantage wird voraussichtlich in acht bis zehn Jahren erfolgen können.
Mit diesem Projekt geht die LLG einen wichtigen Schritt in Richtung einer zukunftsfähigen Landnutzung und einer nachhaltigen Bewirtschaftung von Gehölzen. „Es freut mich besonders, dass wir mit dem Speierling ein so wertvolles Stück Natur bewahren können, das gleichzeitig viele positive Effekte für unsere Landschaften, die Forstwirtschaft und den Naturschutz hat. Es steckt unglaublich viel Herzblut in diesem Projekt“, betont Tassilo Valtink. „In die Vorbereitung als auch der Durchführung wurde viel Zeit und Aufwand investiert, und es waren viele Menschen daran beteiligt, dieses Vorhaben überhaupt erst möglich zu machen. Mein ausdrücklicher Dank gilt allen Akteuren für die geleistete Arbeit. Ich freue mich nun sehr auf die weitere Umsetzung dieses nachhaltigen und zukunftsträchtigen Projektes.“

